Rechtlicher Hintergrund

Im Zusammenhang mit sexualisierten Übergriffen stellt sich für die Betroffenen und deren Umfeld die oft schwierige Frage, ob die Straftat angezeigt werden soll. Dies liegt ganz bei den Betroffenen selbst und muss nicht sofort entschieden werden. Es hat sich erfahrungsgemäß als sinnvoll erwiesen, diesbezügliche Entscheidungen in Ruhe und ohne Zeitdruck zu treffen.

Unabhängig von der Erstattung einer Anzeige sollte nach einem aktuellen Übergriff eine Untersuchung durch eine Frauenärztin oder einen Frauenarzt durchgeführt werden. Dabei werden entstandene Verletzungen behandelt und dokumentiert sowie Fragen hinsichtlich möglicher Infektionskrankheiten oder einer Schwangerschaft geklärt.
Die Untersuchung dient gleichzeitig der Sicherung von Beweismitteln, die im Falle einer Anzeige für die Überführung des Beschuldigten von Bedeutung sein können.

Anzeige

Vor einer Anzeige ist es sinnvoll, sich von einer Rechtsanwältin oder einem Rechtsanwalt bezüglich der Vorgehensweise und der Kosten beraten zu lassen.

Für Betroffene kann es sehr belastend sein, über das Erlebte zu sprechen. Vor diesem Hintergrund ist es für sie wichtig, im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten auf die weiteren Schritte Einfluss nehmen zu können. Dazu gehören beispielsweise, die Vernehmung von einer Polizistin durchführen zu lassen oder die Videovernehmung kindlicher Zeugen, um diesen die Aussage vor Gericht zu ersparen.

Verjährungsfrist

Sind Betroffene zum Zeitpunkt der Tat jünger als 18 Jahre, so ruht die Verjährungsfrist und beginnt erst mit dem 18. Geburtstag.
Es gibt, je nach Schwere der Straftat, unterschiedliche Verjährungsfristen. Bei Vergewaltigung kann die Verjährungsfrist beispielsweise bis zu 20 Jahren andauern.
Bei länger zurückliegenden Straftaten empfiehlt es sich, zunächst von einem Rechtsbeistand prüfen zu lassen, ob die Verjährungsfrist bereits abgelaufen ist.

Offizialdelikt

Bei den Straftatbeständen des sexuellen Missbrauchs und der Vergewaltigung handelt es sich um Offizialdelikte. Wurden sie zur Anzeige gebracht, kann diese nicht mehr zurückgezogen werden.
Staatsanwaltschaft und Polizei müssen nach Kenntnisnahme der Straftat ein Ermittlungsverfahren einleiten.

Antragsdelikt

Reine Antragsdelikte können nicht ohne Strafantrag verfolgt werden.
Viele Antragsdelikte im deutschen Strafecht sind eine Mischung aus Antrags- und Offizialdelikt, die auch dann verfolgt werden können, wenn zwar kein Strafantrag vorliegt, die Staatsanwaltschaft jedoch das besondere öffentliche Interesse an der Strafverfolgung bejaht.
Dazu gehören exhibitionistische Handlungen und sexuelle Beziehungen zwischen Erwachsenen und Jugendlichen, sofern die fehlende Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung des Opfers ausgenutzt wird.

Schweigepflicht

Das Team der Beratungsstelle ist an die Schweigepflicht gebunden. Besteht ein Verdacht auf Kindeswohlgefährdung nach § 8a SGB VIII sind wir verpflichtet, mit den Sozialen Diensten des Landkreises zu kooperieren.

Nebenklage

Betroffene einer Straftat, die zum Tatzeitpunkt bereits 18 Jahre alt waren, haben das Recht, als Nebenkläger im Verfahren mitzuwirken. Bei Minderjährigen steht dieses Recht den Eltern zu. Daraus ergeben sich, im Gegensatz zur Zeugenschaft, erweiterte Möglichkeiten auf Beteiligung im Strafverfahren.

 

Dazu gehört das Recht

Die Nebenklage kann auch kurzfristig im Auftrag der Betroffenen eingereicht werden. Die Nebenklage ist im Jugendstrafverfahren nicht zulässig.

Zeugeninformation und Zeugenbegleitung

Als Betroffene oder Betroffener vor Gericht als Zeuge aussagen zu müssen, kann sehr belastend sein. Informationen über den Ablauf sowie Unterstützung und Begleitung bei bevorstehenden Gerichtsverhandlungen bieten der Verein Bewährungshilfe e.V. und der Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten e.V. Weisser Ring.

Wir unterstützen Sie dabei, den Kontakt zu den beiden Institutionen herzustellen.